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Prasada Buddhi - The attitude of gratitude

  • Autorenbild: Lisa Tichy
    Lisa Tichy
  • 13. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Jan.

Was die Bhagavad Gita über Akzeptanz, Gleichmut und Dankbarkeit in allen Lebenslagen sagt.


Wir beginnen so viele Wege mit klaren Vorstellungen davon, wie alles sein sollte.

Wir entwerfen innere Bilder von unserem Leben, unseren Beziehungen, unserem Jahr, unserer Zukunft.

Und dann kommt das Leben dazwischen – mit Umwegen, Überraschungen, Brüchen und ungeplanten Wendungen.


Genau hier beginnt die Praxis von Prasāda Buddhi:

nicht als Rückzug vom Leben, sondern als eine tief reife Art, ihm zu begegnen.


Frau in Tanktop steht mit dem Rücken zur Kamera und blickt in die Natur. Dabei breitet sie ihre Arme aus als würde die das Leben empfangen.

Was bedeutet Prasāda Buddhi

Prasāda bedeutet im Sanskrit so etwas wie Gnade, Geschenk oder Segnung. Buddhi ist die unterscheidende Intelligenz, das klare, bewusste Erkennen.


Prasāda Buddhi beschreibt also eine innere Haltung, in der wir allem, was uns im Leben begegnet, mit einer stillen Einsicht begegnen: Das, was jetzt da ist, ist ein Teil der Ordnung des Lebens – und darf so angenommen werden.


Es heißt nicht: „Alles ist schön.“ Es heißt: Alles hat seinen Sinn im größeren Zusammenhang.


Diese Haltung unterscheidet sich grundlegend von Gleichgültigkeit oder Resignation. Prasāda Buddhi ist wach, klar und innerlich präsent. Sie sagt nicht: „Es ist mir egal, was passiert.“ , sondern: „Ich erkenne an, dass das, was geschieht, Teil einer größeren Intelligenz ist. und vertraue darauf, dass es zu meinem höchsten Wohl geschieht.“


In der Bhagavad Gītā ist Prasāda Buddhi eng mit Karma Yoga verbunden: Wir handeln aus unserer Verantwortung heraus – aber wir lassen das Ergebnis los. Das Resultat ist nicht unser persönlicher Besitz, sondern Teil eines größeren Gefüges. Ich tue mein Bestes – und empfange das, was kommt, als Prasāda. Diese Haltung bringt eine tiefe innere Ruhe. Nicht weil alles leicht wird – sondern weil wir aufhören, innerlich zu kämpfen oder unser Glück und unseren inneren Frieden von äußeren Gegebenheiten abhängig zu machen.


Prasāda Buddhi in der Bhagavad Gītā

Der philosophische Kern von Prasada Buddhi wird in Kapitel zwei der Bhagavad Gītā gelegt – auch wenn der Begriff selbst dort nicht ausdrücklich auftaucht. Seine Bedeutung entfaltet sich vor allem in den berühmten Versen über Karma Yoga, insbesondere den Versen 2.47–2.50.


Krishna sagt dort zu Arjuna sinngemäß:


Du hast ein Recht auf dein Handeln, aber nicht auf die Früchte deiner Handlungen. Handle, ohne an Erfolg oder Misserfolg gebunden zu sein.*

Junge Frau in Yogkleidung und schwarzem bauchfreien Top übt in der Natur eine Yogahaltung, hohe Kobra, auf einem Sandboden mit Kieselsteinen, die an einen Strand inmitten grüner Berge erinnert.

Hier entsteht die Grundlage von Prasāda Buddhi. Denn wenn wir nicht an den Früchten unserer Taten haften, können wir das, was als Ergebnis erscheint, als Prasāda, einem Geschenk vom Leben, empfangen, statt als persönliches Urteil über unseren Wert oder unsere Leistung.


In Vers 2.48 beschreibt Krishna den Zustand von Samatvam, innerem Gleichmut:

"Yoga ist Gleichmut im Erfolg wie im Misserfolg.“

Und in 2.50 wird dieser Gleichmut als eine Form von innerer Intelligenz (Buddhi) beschrieben, die frei von Anhaftung ist. Im Vedanta wird genau hier die Haltung von Prasāda Buddhi verortet: die Fähigkeit, das Ergebnis des eigenen Handelns, wie auch immer es ausfällt, innerlich anzunehmen, ohne sich davon definieren oder verletzen zu lassen.

So wird Karma Yoga nicht nur zu einer äußeren Praxis des Tuns, sondern zu einer tiefen inneren Schulung:

zu Buddhi, der das Leben nicht bekämpft, sondern als Ausdruck einer größeren Ordnung erkennt. Prasāda Buddhi ist damit keine spiritueller Optimismus oder toxische Positivität, sondern eine reife Form von Vertrauen: Ich handle aus Integrität und nehme an, was kommt, als Teil des Weges.


Prasada Buddhi auf der Yogamatte

Die Matte ist ein perfekter Trainingsraum für diese Haltung.

Stell dir vor du gehst in eine Asana. Vielleicht klappt sie, vielleicht nicht. Dein Körper fühlt sich heute vielleicht stabil an – oder zittrig, steif, müde. Prasāda Buddhi bedeutet dann: „So wie es sich heute anfühlt, ist es richtig für meine Praxis.


Du übst nicht gegen deinen Körper. Du übst mit dem was gegeben ist und begegnest dir dort, wo du heute stehst.

  • Wenn du in der Haltung wackelst – Prasāda.

  • Wenn du tief und gleichmäßig atmest – Prasāda.

  • Wenn du früher rausgehst – Prasāda.

  • Wenn du dich kraftvoll fühlst oder weit – Prasāda.


Die Haltung verliert ihr Urteil. Du bist nicht „besser“ oder „schlechter“, sondern einfach ganz bewusst im Kontakt mit der Realität dieses Moments. Und genau hier wird Yoga wirklich Yoga: nicht als Selbstoptimierung, sondern als tiefe Beziehung zum Jetzt.


Prasāda Buddhi im Alltag

Strauß rosa Tulpen in Kraftpapier eingewickelt wird von Frau in weißer Kleidung gehalten. Man sieht nur die Hände und das Lächeln der Frau.

Im Leben außerhalb der Matte ist diese Haltung fast noch heilsamer. Prasāda Buddhi bedeutet: Ich gebe mein Bestes und lasse das Ergebnis nicht darüber entscheiden, ob ich mich okay fühle.


  • Du schickst eine Bewerbung – Prasāda.

  • Du bekommst eine Absage – auch Prasāda.

  • Ein Gespräch läuft wunderbar – Prasāda.

  • Ein Konflikt entsteht – ebenfalls Prasāda.


Das heißt nicht, dass du passiv wirst. Im Gegenteil: Du handelst klar und authentisch aber bindest dein Selbstwertgefühl nicht an das Ergebnis. Diese Haltung schenkt eine tiefe innere Freiheit: Ich darf wirken, ohne mich im Resultat zu verlieren. Und plötzlich fühlt sich das Leben nicht mehr wie ein persönlicher Angriff oder Beweis für einen destruktiven Glaubenssatz in uns an, sondern wie ein intelligenter Dialog zwischen dir und dem Leben.


Reflexionsfragen

  • Wo in meinem Leben kämpfe ich gegen das an, was gerade ist?

  • Welche Ergebnisse will ich unbedingt kontrollieren – und was würde passieren, wenn ich sie als Prasāda betrachte?

  • Wie verändert sich meine Yogapraxis, wenn ich aufhöre, sie zu „bewerten“?

  • In welchem Bereich meines Lebens könnte ich mehr Hingabe und weniger inneren Druck gebrauchen?

  • Was wäre heute anders, wenn ich alles, was geschieht, als Teil einer größeren Intelligenz betrachten würde?

  • Wofür bin ich dankbar? Gibt es Herausforderungen aus der Vergangenheit für die ich heute dankbar bin?


Prasāda Buddhi und der Jahresbeginn

Gerade zu Beginn eines neuen Jahres ist Prasāda Buddhi eine besonders kraftvolle Begleiterin.

Wir malen uns unser Jahr oft so schön aus: Visionen, Vorsätze, Pläne, innere Bilder von Leichtigkeit, Erfolg, Harmonie.


Holzsticks mit ein paar Zweigen und einer gold-beigen Schleife verpackt. Das Geschenk linkt auf beidem knittrigem Leinenstoff.

Und dann passiert das Leben. Manches läuft anders als gedacht. Es wird vielleicht an der ein oder anderen Stelle holprig. Und im schnelllebigen, stressigen Alltag vergessen wir leicht, die Herausforderungen aus den Augen von Prasāda Buddhi zu sehen - und beginnen zu bewerten: . Das sollte nicht so sein. Das ist unfair. Das war so nicht geplant. Das wirft mich zurück.


Prasāda Buddhi lädt uns ein, genau hier innezuhalten. Nicht alles, was geschieht, ist angenehm – aber alles kann Teil unseres Weges sein.


Deshalb sind regelmäßige Pausen und Ruheinseln, in denen wir die Sinne zurückziehen können, so wichtig.

Momente, in denen wir uns wieder an diese innere Haltung erinnern:

  • auf der Yogamatte,

  • bei einer Tasse Tee,

  • in ein paar bewussten Atemzügen,

  • im stillen Sitzen,

  • oder beim langsamen Spazierengehen.


Diese kleinen Inseln im Alltag sind wie Anker, die uns zurückführen – weg vom inneren Widerstand, hin zur gelassenen Klarheit des Annehmens.


Fazit

Prasāda Buddhi ist keine Technik, die wir „anwenden“. Es ist eine innere Haltung von Dankbarkeit, Ruhe und Gleichmut gegenüber all dem, was das Leben uns schenkt. Das Mitgefühl für uns selbst. Die Dankbarkeit für den Moment. Die Liebe für unser sein. Und die Stimme, die dir flüstert, dass nichts anders sein muss, damit Liebe ein Zuhause in uns findet.


Wenn wir lernen, auch das Unerwartete, das Schwierige, das Unbequeme als Prasāda zu betrachten, wird unser Herz weiter, unser Atem ruhiger und unser Leben weicher. Nicht weil alles perfekt ist, sondern weil wir aufhören, gegen das Unperfekte zu kämpfen.




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